Zum Inhalt springen
Menü
  1. Start
  2. Wissen
  3. Breathwork: Risiken und Kontraindikationen

Breathwork: Risiken und Kontraindikationen

Atemarbeit wirkt harmlos und ist es nicht immer. Wer Breathwork macht oder anleitet, sollte wissen, welche Reaktionen auftreten können, wer besser verzichtet und wie Sicherheit konkret aussieht.

Stand: Oktober 2026 · 5 Minuten Lesezeit · Redaktion Atemtherapeut-Ausbildung.de

Vorab: kein Grund zur Panik, aber zum Hinschauen

Die meisten Menschen vertragen angeleitete Atemübungen gut. Das gilt besonders für ruhige Formen mit langsamem Atem. Bei intensiverem Atmen, schneller, tiefer, über längere Zeit, ändern sich dagegen Körperchemie und Wahrnehmung deutlich. Das kann erwünscht sein und es kann belasten. Weil die Studienlage zu intensiven Breathwork-Formen dünn ist und Risiken kaum systematisch erfasst werden, gilt eine einfache Regel: Je intensiver die Methode, desto sorgfältiger muss die Vorbereitung sein.

Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung. Er hilft dir, die richtigen Fragen zu stellen.

Was im Körper passiert

Wer mehr ein- und ausatmet, als der Körper braucht, senkt den Kohlendioxidgehalt im Blut. Das verändert den pH-Wert und die Durchblutung bestimmter Regionen. Typische Folgen sind Kribbeln in Händen, Füßen und Lippen, Schwindel, Benommenheit, Herzklopfen, ein Engegefühl, verkrampfte Hände (Pfötchenstellung) oder Muskelzittern. Das sind bekannte Zeichen einer Hyperventilation. Sie sind meist harmlos, wenn der Atem wieder ruhig wird, sie können aber Angst machen und in seltenen Fällen eine Ohnmacht auslösen.

Dazu kommt die psychische Ebene. Intensive Atemarbeit kann starke Gefühle, Erinnerungen und körperliche Empfindungen hervorrufen. Für manche ist das befreiend, für andere überfordernd. In der Fachliteratur sind vereinzelt Fallberichte über ernste Reaktionen beschrieben. Sie sind selten, aber sie existieren, und sie sind der Grund, warum seriöse Anleitende Vorgespräche führen.

Häufig genannte Kontraindikationen

Die folgende Liste entspricht dem, was verantwortungsvolle Breathwork-Anbieter in ihren Gesundheitsfragebögen abfragen. Sie ist nicht abschließend und ersetzt keine ärztliche Beurteilung.

  • Schwangerschaft. Intensives Atmen wird in der Regel nicht empfohlen.
  • Epilepsie und Krampfanfälle. Hyperventilation kann Anfälle begünstigen.
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dazu zählen Herzrhythmusstörungen, Herzinfarkt oder Schlaganfall in der Vorgeschichte, unbehandelter oder schlecht eingestellter Bluthochdruck, Aneurysmen.
  • Lungenerkrankungen. Etwa schweres Asthma, COPD, Pneumothorax in der Vorgeschichte.
  • Psychische Erkrankungen. Besonders Psychosen, bipolare Störungen, schwere Depressionen, akute Krisen, Traumafolgestörungen und Panikstörungen, bei denen starke Atemreaktionen Symptome auslösen können.
  • Kürzliche Operationen oder Verletzungen, auch Knochenbrüche und frische Narben.
  • Weitere Punkte, die oft genannt werden: Glaukom, Netzhautablösung, Osteoporose, schwere Migräne, Nahrungs- oder Alkoholeinfluss.

Sanfte, ruhige Atemübungen sind oft unproblematischer. Auch dort gilt aber: Wer eine der genannten Erkrankungen hat, spricht vor dem Einstieg mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt. Das gilt erst recht bei Atempausen, etwa bei 4-7-8 oder Box Breathing.

Was gute Anleitende tun

  1. Vorgespräch und Gesundheitsfragebogen. Mit konkreten Fragen zu den oben genannten Punkten. Wer das weglässt, handelt unverantwortlich.
  2. Ehrliche Information. Welche Reaktionen sind möglich? Was tue ich, wenn sie auftreten?
  3. Freiwilligkeit und Ausstiegsmöglichkeit. Teilnehmende dürfen jederzeit ihr Tempo reduzieren oder aufhören, ohne sich erklären zu müssen.
  4. Präsenz. Gruppen werden nie unbeaufsichtigt gelassen. Das Verhältnis von Leitung zu Teilnehmenden ist angemessen.
  5. Ausklang. Nach intensiven Phasen folgt eine ruhige Rückführung.
  6. Grenzen kennen. Wer merkt, dass jemand mehr braucht, als Atembegleitung leisten kann, verweist weiter, an Ärztin, Arzt oder Psychotherapie.

Das sind Ausbildungsinhalte, nicht Zusatzleistungen. Eine Ausbildung, die davon nichts erwähnt, ist ein Warnsignal. Das Slow Breathing Modul führt Kontraindikationen und sichere Anpassung ausdrücklich als Lerninhalt auf, die Beambreath®-Grundausbildung betont die Fähigkeit zur Selbstregulation. Beides siehst du auf den jeweiligen Kursseiten: Slow Breathing, Beambreath®.

Was du als Teilnehmende selbst tun kannst

  • Sei in der Gesundheitsabfrage ehrlich, auch wenn es unangenehm ist.
  • Frag vorab, welche Atemtechnik angeleitet wird, wie intensiv sie ist und wie lange sie dauert.
  • Atme nie intensiv, wenn du allein bist, im Wasser, in der Badewanne, beim Autofahren oder im Stehen auf Höhe.
  • Steig sofort aus, wenn dir schwindelig wird oder du Angst bekommst. Atme normal und ruhig weiter, setz dich hin.
  • Nimm keine Substanzen, um „tiefer“ zu kommen.

Wann du Hilfe holen solltest

Rufe den Notruf, wenn jemand bewusstlos wird, Atemnot hat, Brustschmerzen entwickelt oder ein Krampfanfall auftritt. Bei anhaltender psychischer Belastung nach einer Atemsession sprich mit Ärztin, Arzt oder Psychotherapie. Das ist kein Zeichen, dass du etwas falsch gemacht hast.

Besonderheiten bei Online-Sessions

Online ist Breathwork bequem, aber sicherheitstechnisch anspruchsvoller. Die Leitung sieht auf dem Bildschirm oft nur einen Ausschnitt, sie kann nicht eingreifen, wenn jemand kollabiert, und weiß nicht, ob jemand allein zu Hause ist. Verantwortungsvolle Anbieter klären deshalb vorab Gesundheit und Notfallkontakte, empfehlen einen sicheren Platz (liegen, keine Treppe in der Nähe, kein Wasser, kein Fahrzeug) und bieten Rückfragen an. Als Teilnehmende solltest du nur mitmachen, wenn du nicht allein bist oder zumindest erreichbar bleibst, und du solltest die Kamera so einstellen, dass du sicher liegst.

Mythen und Missverständnisse

„Atmen ist natürlich, also kann nichts passieren.“ Natürliches Atmen ist ungefährlich. Gezieltes, intensives Atmen über längere Zeit ist es nicht in jedem Fall.

„Wenn es unangenehm wird, gehört das zum Prozess.“ Unangenehme Reaktionen können dazugehören, aber du entscheidest, wann es genug ist. Niemand muss etwas durchstehen.

„Wer gesund ist, hat nichts zu befürchten.“ Auch gesunde Menschen können Schwindel, Panik oder Krämpfe erleben. Gesundheit senkt das Risiko, sie beseitigt es nicht.

„Eine Einverständniserklärung schützt die Leitung vollständig.“ Ein Haftungsausschluss befreit nicht von der Sorgfaltspflicht. Wer anleitet, bleibt für eine ordentliche Durchführung verantwortlich.

Was für Anleitende rechtlich dazugehört

Wer Gruppen oder Einzelne atmen lässt, sollte eine Berufshaftpflicht haben, die Atemarbeit ausdrücklich abdeckt. Dokumentiere Gesundheitsfragebögen und Einwilligungen datenschutzkonform. Formuliere deine Angebote ohne Heilversprechen. Und sorge dafür, dass du in einem Notfall handlungsfähig bist: Erste-Hilfe-Kenntnisse, Notrufnummern, ein Plan. Mehr zu den rechtlichen Grenzen in Atemtherapeut werden.

Konsequenz für die Ausbildung

Wer anleiten will, trägt Verantwortung. Wähle eine Ausbildung, die Sicherheit ernst nimmt und die Grenzen deines Tuns benennt. Und wähle ein Angebot, das zu deiner Zielgruppe passt: Für Einsteiger im Alltag sind ruhige Techniken meist die bessere Wahl. Eine Prüfliste für Ausbildungen findest du in Breathwork Ausbildung: worauf achten.

Häufige Fragen

Kann man bei Breathwork ohnmächtig werden?

Bei intensiver Hyperventilation ist das möglich, wenn auch selten. Deshalb sollte man nie allein, im Wasser oder im Stehen intensiv atmen und sofort normal weiteratmen, wenn Schwindel auftritt.

Ist Breathwork in der Schwangerschaft erlaubt?

Intensive Formen werden in der Regel nicht empfohlen. Sprich mit deiner Frauenärztin oder deinem Frauenarzt, bevor du Atemübungen mit Atempausen oder intensives Atmen machst.

Darf ich mit einer Angststörung Breathwork machen?

Das hängt vom Einzelfall ab. Bei Panik- und Angststörungen können starke Atemreaktionen Symptome auslösen. Sprich vorher mit Ärztin, Arzt oder Psychotherapie.

Was tun, wenn die Hände verkrampfen?

Atme langsam und ruhig, am besten mit verlängertem Ausatmen. Die Krämpfe klingen in der Regel ab, wenn sich die Atmung normalisiert. Halten sie an oder treten weitere Beschwerden auf, hol ärztliche Hilfe.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Er enthält Werbelinks.

Slow BreathingAnsehen